Ilmenau/Horschlitt – Am vergangenen Wochenende starteten die gut 50 Mitglieder der Nationalmannschaft des Deutschen Amateur Radio Clubs (DARC) in die Kurzwellen-Weltmeisterschaft der International Amateur Radio Union (IARU) – wie schon so oft in den letzten anderthalb Jahrzehnten als Titelverteidiger.
Insgesamt sieben über das gesamte Bundesgebiet verteilte Stationen bilden das Gerüst der mit dem Rufzeichen DA0HQ agierenden Amateurfunk-Nationalmannschaft, deren Hauptquarier sich in Ilmenau befindet. Gesendet und empfangen wird in den Betriebsarten Telegrafie (Morsefunk) sowie Telefonie (Sprechfunk), wobei jede Betriebsart von einem auf den jeweiligen Frequenzbereich spezialisierten Team übernommen wird. Vier der acht deutschen Teams stammen aus Thüringen, sie allein decken über die Hälfte der Frequenzbereiche ab. Neben den Ilmenauen gehören dazu das Team Horschlitt im Wartburgkreis sowie zwei weitere Stationen auf der Mühlburg bei Arnstadt sowie dem 792 Meter hohen Wetzstein in der Nähe von Saalfeld.
Funkruf in die Südsee
Gut 30 Nationalmannschaften gehen an den Start, darüber hinaus beteiligen sich tausende Einzelteilnehmer am Wettbewerb, um mit moderner Technik eine möglichst hohe Punktzahl zu erreichen. Die Punktzahl errechnet sich aus der Anzahl der bestätigten Kontakte zu anderen Funkern und der Distanz der Funkverbindungen, sagt wie Wolfgang Ziegler, Leiter des Teams Horschlitt. Von der IARU wurde der komplette Erdball in 60 Zonen aufgeteilt, je mehr davon erreicht werden, umso mehr Punkte gibt es.
Schwer zu erreichende Amateurfunkstationen befinden sich auf versprengten Südsee-Inseln am anderen Ende der Welt, auf driftenden Eisschollen und Forschungsstationen in der Antarktis. Fast 25 000 Verbindungen konnte die deutsche Nationalmannschaft im vergangenen Jahr aufbauen, dank des guten Funkwetters wird eine ähnlich hohe Zahl auch für die laufende WM erwartet. “Nur ein einziges Gewitter kann das Gesamtergebnis allerdings gefährden”, sagt Ziegler. “Vor lauter Krächzen können die leisen, weit entfernten Stationen nicht mehr wahrgenommen werden können.”
Ein weiteres Problem stellt in diesem Jahr die extreme Hitze dar, die den Funkern in ihren engen Stationen gehörig zu schaffen macht – nicht zuletzt, weil auch die Ausrüstung Wärme abstrahlt, die die Temperaturen auf weit über 30 Grad ansteigen lässt. Besonders davon betroffen war ein exotischer Gast, der sich dem Team Horschlitt angeschlossen hat und normalerweise das andere Temperaturextrem kennt: Felix Riess arbeitet als Elektroniker auf der deutschen Neumeyer-Antarkis-Forschungsstation und nutzte seinen Urlaub in Deutschland, um bei der WM zu starten.
© 2010 von Klaus-Peter Kaschke (Freies Wort)

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